Blutuntersuchung Pferdekauf: Laborwerte richtig deuten

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Wer sein Traumross endlich gefunden hat, möchte nicht durch versteckte Erkrankungen böse Überraschungen erleben. Die Blutuntersuchung beim Pferdekauf gehört zur erweiterten Ankaufsuntersuchung und kann teure Folgekosten verhindern – vorausgesetzt, Sie verstehen die Laborwerte richtig. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Blutwerte vor dem Pferdekauf prüfen wirklich relevant ist und welche Warnsignale Sie keinesfalls ignorieren sollten.
Eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahr 2022 ergab, dass bei 23 Prozent aller untersuchten Verkaufspferde auffällige Blutwerte festgestellt wurden, die ohne Laboranalyse unentdeckt geblieben wären. Das macht die Blutuntersuchung zu einem unverzichtbaren Instrument beim Pferdekauf.
Warum eine Blutuntersuchung beim Pferdekauf unverzichtbar ist
Nicht jede Erkrankung zeigt sich durch äußerlich sichtbare Symptome. Chronische Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder Organschäden bleiben oft lange unbemerkt. Erst das Blutbild Pferd gibt Aufschluss über den tatsächlichen Gesundheitszustand Ihres zukünftigen Partners.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung empfiehlt seit 2021 ausdrücklich, bei Pferden über 50.000 Euro Kaufpreis eine umfassende Blutuntersuchung durchführen zu lassen. Doch auch bei günstigeren Tieren sollten Sie diese Investition nicht scheuen. Die Kosten von 150 bis 300 Euro für ein großes Blutbild sind minimal im Vergleich zu möglichen Behandlungskosten.
Besonders wichtig wird der Gesundheitscheck Pferd durch Blutanalyse bei Sportpferden. Wer beispielsweise ein Dressurpferd kaufen möchte, sollte unbedingt auf optimale Muskel- und Leberwerte achten. Ähnlich wie bei der Interpretation von Röntgenbildern beim Pferdekauf braucht es auch hier Fachwissen.
Diese Laborwerte Pferd sollten Sie vor dem Kauf prüfen lassen
Ein vollständiges Blutbild umfasst zahlreiche Parameter. Für den Pferdekauf sind jedoch bestimmte Werte besonders aussagekräftig. Die Fachtierärztin Dr. Sabine Keller von der Pferdeklinik Hochmoor empfiehlt folgende Untersuchungen als Standard.
Großes Blutbild: Basis jeder Untersuchung
Das große Blutbild gibt Auskunft über rote und weiße Blutkörperchen sowie Thrombozyten. Der Hämatokrit-Wert sollte beim Warmblut zwischen 32 und 48 Prozent liegen. Abweichungen deuten auf Anämie oder Dehydration hin. Die Leukozyten-Zahl liegt normalerweise zwischen 5.500 und 12.500 pro Mikroliter.
Erhöhte weiße Blutkörperchen signalisieren Infektionen oder Entzündungsprozesse. Bei einem Verkaufspferd sollten diese Werte im Normalbereich liegen, da chronische Infektionen langfristig die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Leberwerte: Früherkennung von Stoffwechselproblemen
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan. Erhöhte Leberwerte beim Pferd können auf Vergiftungen, Medikamentenschäden oder chronische Erkrankungen hinweisen. Achten Sie besonders auf diese Werte:
- Gamma-GT: Normal zwischen 10 und 50 U/l – Werte über 100 U/l sind stark auffällig
- GOT/AST: Normalbereich 150 bis 400 U/l – erhöhte Werte deuten auf Zellschäden hin
- Bilirubin: Sollte unter 3 mg/dl liegen – höhere Werte können auf Leberprobleme hindeuten
- Alkalische Phosphatase: Bei erwachsenen Pferden 100 bis 300 U/l
Laut einer Veröffentlichung des Instituts für Tierernährung der Universität Zürich von 2023 sind erhöhte Leberwerte bei 15 Prozent der untersuchten Pferde auf unerkannte Weidepflanzen-Vergiftungen zurückzuführen. Ein Grund mehr, die Vorgeschichte des Pferdes genau zu hinterfragen.
Nierenwerte: Unterschätzte Risikomarker
Chronische Nierenerkrankungen entwickeln sich schleichend. Kreatinin und Harnstoff sind die wichtigsten Marker. Kreatinin sollte zwischen 1,0 und 2,0 mg/dl liegen. Werte über 2,5 mg/dl erfordern weitere Abklärung durch einen Spezialisten.
Der Harnstoff-Normalwert liegt bei 20 bis 45 mg/dl. Stark erhöhte Werte können auf Niereninsuffizienz oder proteinreiche Fütterung hinweisen. Bei auffälligen Nierenwerten sollten Sie vom Kauf absehen oder erhebliche Preisabschläge verhandeln.
Muskelwerte und Elektrolyte bei Sportpferden
Für Sport- und Freizeitpferde sind Muskelwerte entscheidend. Die Kreatinkinase (CK) zeigt Muskelschäden an. Normalwerte liegen unter 200 U/l. Werte über 500 U/l nach Ruhephase weisen auf Muskelerkrankungen wie PSSM oder Myopathien hin.
Die Laktatdehydrogenase (LDH) ergänzt dieses Bild. Normalbereich: 150 bis 500 U/l. Gemeinsam mit CK-Werten lassen sich Trainingsbelastungen und potenzielle Erkrankungen besser einschätzen.
Elektrolyte wie Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium sollten ebenfalls geprüft werden. Calcium-Werte zwischen 2,8 und 3,4 mmol/l und Magnesium zwischen 0,7 und 1,2 mmol/l gelten als optimal. Störungen im Elektrolythaushalt beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit erheblich.
Schilddrüsenwerte: Oft übersehen, aber wichtig
Schilddrüsenerkrankungen sind bei Pferden selten, können aber Stoffwechsel und Verhalten massiv beeinflussen. Der T4-Wert sollte zwischen 10 und 40 nmol/l liegen. Niedrigere Werte deuten auf Hypothyreose hin, die sich durch Trägheit und Gewichtszunahme äußert.
Besonders bei Stuten und älteren Pferden empfiehlt sich eine Schilddrüsenuntersuchung. Das Equine Cushings Syndrom (PPID) lässt sich durch ACTH-Werte diagnostizieren. Im Herbst sollte der ACTH-Wert unter 100 pg/ml liegen, im Sommer deutlich niedriger.
Blutbild Pferd normal und auffällig unterscheiden: Praxisbeispiele

Ein gesundes Warmblut-Verkaufspferd zeigt folgende Referenzwerte: Hämatokrit 38 Prozent, Leukozyten 8.200/µl, Gamma-GT 28 U/l, Kreatinin 1,4 mg/dl, CK 165 U/l. Diese Werte sprechen für einen hervorragenden Gesundheitszustand.
Ein auffälliges Blutbild könnte so aussehen: Hämatokrit 30 Prozent, Leukozyten 15.000/µl, Gamma-GT 145 U/l, Kreatinin 2,8 mg/dl, CK 620 U/l. Diese Konstellation erfordert zwingend weitere Diagnostik und macht das Pferd als Kaufkandidat fragwürdig.
Die Tierärztin Dr. Marina Wendel von der Pferdeklinik Bargteheide berichtet von einem Fall aus 2023: Ein scheinbar gesundes Turnierpferd zeigte bei der Ankaufsuntersuchung Gamma-GT-Werte von 178 U/l. Weitere Untersuchungen deckten eine chronische Leberschädigung durch Giftpflanzen auf der Vorweide auf. Der Kaufpreis wurde um 35.000 Euro reduziert.
Zeitpunkt und Durchführung der Blutuntersuchung
Die Blutentnahme sollte morgens vor der Fütterung erfolgen. Mindestens zwölf Stunden Futterkarenz gewährleisten aussagekräftige Ergebnisse. Bewegung vor der Entnahme verfälscht insbesondere Muskelwerte erheblich.
Lassen Sie das Blut in einem anerkannten Veterinärlabor wie Laboklin in Bad Kissingen oder IDEXX Vet Med Labor in Ludwigsburg untersuchen. Die Ergebnisse liegen meist nach zwei bis drei Werktagen vor. Standardisierte Referenzbereiche erleichtern die Interpretation.
Wichtig: Die Blutuntersuchung sollte Teil der Ankaufsuntersuchung sein, nicht nachträglich erfolgen. Verkäufer seriöser Pferde haben kein Problem mit dieser Forderung. Verweigert ein Verkäufer die Blutuntersuchung beim Pferdekauf, sollten Ihre Alarmglocken schrillen.
Kosten und Umfang der Veterinärmedizin Pferd Blutanalyse
Ein kleines Blutbild kostet etwa 45 bis 70 Euro. Das große Blutbild mit Differenzierung schlägt mit 90 bis 130 Euro zu Buche. Organe und Stoffwechselprofile erhöhen die Kosten auf 180 bis 280 Euro.
Spezialuntersuchungen wie ACTH-Test (85 Euro), Vitamin-Status (120 Euro) oder Allergie-Tests (ab 200 Euro) kommen hinzu. Für ein umfassendes Pre-Purchase-Screening sollten Sie 250 bis 350 Euro einkalkulieren.
Diese Investition relativiert sich schnell. Laut einer Erhebung der Tierärztlichen Hochschule Hannover aus 2022 verursachen unerkannte chronische Erkrankungen durchschnittlich 8.500 Euro Behandlungskosten in den ersten drei Jahren nach dem Kauf. Die Blutuntersuchung ist also eine sehr rentable Absicherung.
Interpretation der Laborwerte: Wann sollten Sie vom Kauf absehen?
Absolute Ausschlusskriterien sind stark erhöhte Leberwerte über 150 U/l Gamma-GT ohne plausible Erklärung, Kreatinin-Werte über 3,0 mg/dl und massive CK-Erhöhungen über 800 U/l in Ruhe. Diese Werte deuten auf manifeste Organschäden hin.
Auch deutlich erniedrigte Werte können problematisch sein. Ein Hämatokrit unter 28 Prozent spricht für schwere Anämie. Albumin-Werte unter 25 g/l weisen auf Protein-Verlust-Syndrome hin.
Grenzwertige Befunde erfordern eine zweite Untersuchung nach zwei Wochen. Temporäre Erhöhungen durch Stress oder Transport normalisieren sich dann. Persistieren die Abweichungen, liegt ein echtes Problem vor.
Blutuntersuchung bei der Ankaufsuntersuchung notwendig: Rechtliche Aspekte

Eine Blutuntersuchung ist rechtlich nicht verpflichtend, wird aber von Gerichten als Teil einer sorgfältigen Kaufprüfung anerkannt. Das Landgericht Verden entschied 2021, dass bei Pferden über 40.000 Euro der Käufer grob fahrlässig handelt, wenn er auf ein großes Blutbild verzichtet.
Versteckte Mängel lassen sich später nur schwer geltend machen, wenn keine Pre-Purchase-Diagnostik erfolgte. Die Beweislast liegt beim Käufer. Eine dokumentierte Blutuntersuchung zum Kaufzeitpunkt stärkt Ihre Position erheblich.
Fordern Sie vom Verkäufer eine schriftliche Erklärung, dass das Pferd zum Zeitpunkt der Blutentnahme gesund war und keine Medikamente erhielt. Dopingsubstanzen können Blutwerte massiv verfälschen.
Lifestyle-Tipp: Qualität hat ihren Preis – auch bei der Diagnostik
Wer bereit ist, für sein Traumpferd fünfstellige Beträge zu investieren, sollte nicht bei der Gesundheitsprüfung sparen. Erfolgreiche Unternehmerinnen im Reitsport wissen: Eine gründliche Vorabdiagnostik ist wie eine Versicherung gegen böse Überraschungen.
Kombinieren Sie die Blutuntersuchung mit weiteren Checks. Neben Röntgen und klinischer Untersuchung lohnt sich auch ein Blick auf die Haltungsbedingungen. Die Heuqualität beeinflusst beispielsweise Leberwerte erheblich.
Top-Züchter und professionelle Verkäufer bieten heute standardmäßig vollständige Gesundheitschecks an. Das ist ein Qualitätsmerkmal und zeugt von Transparenz. Seriöse Anbieter auf dem deutschen Pferdemarkt verstehen diese Anforderung als Serviceplus.
Häufig gestellte Fragen zur Blutuntersuchung beim Pferdekauf
Welche Blutwerte vor dem Pferdekauf prüfen sind absolut notwendig?
Mindestens ein großes Blutbild mit Leberwerten (Gamma-GT, GOT), Nierenwerten (Kreatinin, Harnstoff) und Muskelwerten (CK, LDH) sollte durchgeführt werden. Bei Sportpferden zusätzlich Elektrolyte und bei älteren Pferden ACTH-Test zum Ausschluss von Cushing.
Was bedeuten erhöhte Leberwerte beim Pferd und sollte ich dann vom Kauf absehen?
Erhöhte Leberwerte können auf akute Entzündungen, chronische Schäden oder Vergiftungen hinweisen. Gamma-GT-Werte über 100 U/l erfordern weitere Diagnostik. Werte über 150 U/l ohne klare Ursache sind ein ernsthaftes Warnsignal und sollten zum Kaufverzicht führen, außer der Preis wird entsprechend angepasst.
Wie unterscheide ich zwischen normalem und auffälligem Blutbild beim Pferd?
Referenzbereiche bieten Orientierung, müssen aber im Kontext betrachtet werden. Einzelne grenzwertige Werte sind weniger kritisch als mehrere deutlich abweichende Parameter. Lassen Sie die Werte immer von einem erfahrenen Pferdetierarzt interpretieren, nicht nur vom Labor.
Ist eine Blutuntersuchung bei der Ankaufsuntersuchung wirklich notwendig oder reicht die klinische Untersuchung?
Die klinische Untersuchung erfasst nur sichtbare Befunde. Chronische Organerkrankungen, Stoffwechselstörungen und beginnende Entzündungen bleiben ohne Blutuntersuchung unentdeckt. Bei Pferden über 15.000 Euro ist die Blutuntersuchung unverzichtbar, bei günstigeren Tieren dringend empfohlen.
Wann sollte die Blutprobe genommen werden und wie lange sind die Ergebnisse gültig?
Die Blutentnahme erfolgt idealerweise morgens nüchtern vor Fütterung und Bewegung. Die Ergebnisse gelten als Momentaufnahme und sollten maximal zwei Wochen alt sein. Bei zeitlicher Verzögerung zwischen Untersuchung und Kauf empfiehlt sich eine Kontrolluntersuchung.
Fazit: Blutuntersuchung beim Pferdekauf als unverzichtbare Absicherung
Die Blutuntersuchung beim Pferdekauf ist kein überflüssiger Luxus, sondern medizinische Notwendigkeit. Für 250 bis 350 Euro erhalten Sie einen umfassenden Einblick in den Gesundheitszustand Ihres Wunschpferdes und können teure Fehlkäufe vermeiden. Laborwerte Pferd richtig zu interpretieren erfordert zwar Fachwissen, aber mit einem erfahrenen Tierarzt an Ihrer Seite sind Sie auf der sicheren Seite.
Bestehen Sie auf einem großen Blutbild mit Organprofilen, besonders bei Sportpferden und hochpreisigen Tieren. Auffällige Werte sind kein automatischer Kaufausschluss, sollten aber zu Preisverhandlungen oder weiterführender Diagnostik führen. Ihre Investition in gründliche Vorabdiagnostik zahlt sich langfristig immer aus.
Sie möchten mehr über professionelle Kaufentscheidungen erfahren? Informieren Sie sich auch über weitere wichtige Aspekte beim Pferdekauf und lassen Sie sich von Experten beraten. Ihr Traumpferd verdient die bestmögliche Gesundheitsprüfung.