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Wenn sich im Februar die ersten Fellbüschel lösen und Ihr Pferd aussieht, als würde es explodieren, beginnt die anstrengendste Phase des Jahres für den Pferdekörper. Der Fellwechsel beim Pferd kostet so viel Energie wie eine mittelschwere Erkrankung – und genau deshalb braucht Ihr Vierbeiner jetzt mehr als nur regelmäßiges Bürsten.

Die richtige Unterstützung während dieser Umstellungsphase entscheidet darüber, ob Ihr Pferd im Mai mit glänzendem Sommerfell dasteht oder mit stumpfem, schuppigem Haarkleid kämpft. Zwischen März und Juni läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren, und wer jetzt gezielt füttert und pflegt, spart sich später teure Tierarztbesuche wegen Ekzemen oder Hautproblemen.

Warum der Fellwechsel beim Pferd so kräftezehrend ist

Der Fellwechsel ist kein kosmetischer Vorgang, sondern eine Stoffwechselleistung, die den gesamten Organismus fordert. Laut einer Studie der Universität Leipzig aus 2019 steigt der Proteinbedarf während des Fellwechsels um bis zu 30 Prozent. Jedes einzelne der etwa 5 Millionen Haare am Pferdekörper wird erneuert – vom kurzen Sommerhaar bis zur langen Winterwolle.

Die Tageslichtdauer ist der entscheidende Auslöser. Sobald die Tage im Februar merklich länger werden, reagiert die Zirbeldrüse im Pferdegehirn. Sie reduziert die Produktion des Hormons Melatonin, was wiederum den Fellwechsel einleitet. Dieser Prozess dauert im Durchschnitt 8 bis 12 Wochen und belastet besonders ältere Pferde ab 15 Jahren sowie immungeschwächte Tiere stark.

Während dieser Zeit arbeitet die Haut als größtes Organ auf Hochtouren. Die Talgdrüsen produzieren intensiv, um das neue Fell zu schützen, und der Körper mobilisiert große Mengen an Mineralien und Spurenelementen. Eine mangelhafte Versorgung zeigt sich später in brüchigem, glanzlosem Fell oder verzögertem Fellwechsel, der sich bis in den Hochsommer ziehen kann.

Essentielle Nährstoffe für glänzendes Sommerfell

Die Fütterung entscheidet maßgeblich über die Qualität des Sommerfells. Bestimmte Nährstoffe sind während des Fellwechsels beim Pferd absolut unverzichtbar und sollten gezielt zugeführt werden.

Zink und Biotin als Basis für Haut und Haar

Zink ist der Schlüsselnährstoff für gesundes Fellwachstum. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 400 bis 600 mg für ein 600 kg schweres Warmblut, während des Fellwechsels darf diese Menge auf bis zu 800 mg erhöht werden. Das Spurenelement aktiviert über 200 Enzyme, die an der Zellteilung und Proteinsynthese beteiligt sind. Zinkmangel zeigt sich durch schuppige Haut, Haarausfall und verzögerten Fellwechsel.

Biotin, auch als Vitamin H bekannt, unterstützt die Verhornungsprozesse in Haut und Haar. Eine Dosierung von 20 bis 30 mg täglich hat sich in der Praxis bewährt. Laut dem Supplement-Hersteller Equipur zeigen sich erste Verbesserungen der Fellqualität nach etwa 6 bis 8 Wochen konsequenter Fütterung.

Omega-3-Fettsäuren für den Glanz

Leinöl ist der Klassiker unter den Fellglanz-Futtermitteln. Täglich 50 bis 100 ml hochwertiges, kaltgepresstes Leinöl liefern essentielle Omega-3-Fettsäuren, die Entzündungen hemmen und die Hautbarriere stärken. Schwarzkümmelöl ist eine Alternative mit zusätzlicher immunstärkender Wirkung, sollte aber nur in geringeren Mengen von maximal 30 ml pro Tag gefüttert werden.

Die Fettsäuren verbessern nicht nur den optischen Glanz, sondern auch die Elastizität der Haut. Das ist besonders wichtig, wenn das Winterfell sich löst und die Haut darunter oft trocken und schuppig ist.

Proteinversorgung nicht vergessen

Fell besteht zu über 90 Prozent aus Keratin, einem Strukturprotein. Während des Fellwechsels benötigt das Pferd hochwertige Proteine mit allen essentiellen Aminosäuren. Besonders wichtig sind Methionin und Lysin, die in Luzerne, Sojaextraktionsschrot und speziellen Ergänzungsfuttermitteln enthalten sind.

Ein 600 kg schweres Pferd in leichter Arbeit benötigt etwa 630 Gramm verdauliches Rohprotein täglich. Während des Fellwechsels darf dieser Wert auf 750 bis 800 Gramm steigen. Hochwertiges Heu, ergänzt durch eine Handvoll Luzernecobs, deckt diesen Bedarf meist ab. Die Zusammensetzung der Futterration sollte bei langfristigen Unterhaltskosten für Pferde immer mitbedacht werden.

Die richtige Pflegeroutine während des Fellwechsels

Tägliches Striegeln ist während des Fellwechsels beim Pferd Pflicht, nicht Kür. Die mechanische Stimulation regt die Durchblutung der Haut an, löst abgestorbene Haare und verteilt das Hautfett gleichmäßig im Fell.

Striegel und Bürsten richtig einsetzen

Beginnen Sie mit einem Gummistriegel in kreisenden Bewegungen am Hals. Der Druck sollte fest genug sein, um lose Haare zu lösen, aber nicht so stark, dass das Pferd sich verspannt. Besonders am Hals, an der Schulter und an der Kruppe sammeln sich die meisten Haare. Ein Metallstriegel mit abgerundeten Zähnen eignet sich für Pferde mit sehr dichtem Fell, sollte aber niemals am Kopf, an den Beinen oder am Bauch verwendet werden.

Nach dem Striegeln folgt die Kardätsche, eine weiche Bürste, die den gelösten Staub und feine Haare aufnimmt. Putzen Sie in langen, gleichmäßigen Zügen in Wuchsrichtung. Die Kardätsche sollte nach jedem dritten Strich am Striegel ausgeklopft werden, sonst verteilen Sie den Schmutz nur neu.

Wurzelbürsten mit festen Naturborsten massieren die Haut und regen die Talgproduktion an. Einmal täglich für etwa 5 Minuten gegen den Strich gebürstet, wird die Durchblutung gesteigert und das Winterfell löst sich schneller.

Zusätzliche Hilfsmittel im Fellwechsel

Ein Fellwechselstriegel mit rotierenden Gummizacken, wie der FurminatorEquine von der Firma ShedMonster, entfernt bis zu 90 Prozent der losen Unterwolle in einer Putzeinheit. Diese Investition von etwa 35 Euro spart täglich 10 bis 15 Minuten Putzzeit und reduziert den Haarflug in der Stallgasse erheblich.

Abschwitzdecken nach dem Training verhindern, dass das Pferd im nassen Fell auskühlt. Gerade im März und April, wenn die Temperaturen noch schwanken, ist das Immunsystem durch den Fellwechsel geschwächt. Eine Verkühlung kann schnell in eine Atemwegsinfektion übergehen.

Häufige Probleme und Lösungen beim Fellwechsel

Fellwechsel beim Pferd: Optimale Unterstützung im Frühling

Nicht jeder Fellwechsel verläuft reibungslos. Bestimmte Warnsignale sollten Sie ernst nehmen und gegebenenfalls tierärztlich abklären lassen.

Verzögerter oder ausbleibender Fellwechsel

Wenn Ihr Pferd im Mai noch deutliche Reste des Winterfells trägt, können hormonelle Störungen dahinterstecken. Das Equine Cushing Syndrom, eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse, betrifft etwa 20 Prozent aller Pferde über 15 Jahre und verzögert den Fellwechsel massiv. Betroffene Pferde entwickeln oft ein langes, lockiges Fell, das sich nicht oder nur teilweise wechselt.

Eine Blutuntersuchung mit entsprechenden Laborwerten bringt Klarheit. Der ACTH-Wert sollte zwischen September und Februar unter 47 pg/ml liegen, im Sommer unter 29 pg/ml. Erhöhte Werte erfordern eine medikamentöse Behandlung mit Pergolid.

Juckreiz und Hautirritationen

Starker Juckreiz während des Fellwechsels ist nicht normal. Oft stecken Ektoparasiten wie Haarlinge oder Milben dahinter, die sich unter dem dichten Winterfell vermehrt haben. Auch allergische Reaktionen auf Futtermittel oder Umweltallergene können sich jetzt zeigen.

Mineralstoffmangel, besonders an Zink und Selen, führt zu trockener, schuppiger Haut. Die Haut wird anfällig für bakterielle Infektionen und Pilzbefall. Ein Dermatologe-Check beim Tierarzt und eine Futteranalyse schaffen Klarheit. Oftmals reicht es, die Grundration anzupassen und hochwertige Mineralfutter zu ergänzen.

Checkliste für den optimalen Fellwechsel

  • Täglich mindestens 15 Minuten gründlich striegeln und bürsten, um lose Haare zu entfernen und die Hautdurchblutung anzuregen
  • Zinkzufuhr auf 600 bis 800 mg täglich erhöhen, kombiniert mit 20 bis 30 mg Biotin für optimales Fellwachstum
  • 50 bis 100 ml kaltgepresstes Leinöl täglich füttern für Glanz und gesunde Hautfunktion
  • Proteinversorgung auf 750 bis 800 Gramm verdauliches Rohprotein steigern durch Luzerne oder hochwertiges Kraftfutter
  • Abschwitzdecke nach dem Training verwenden, um Auskühlung und Infekte zu vermeiden
  • Bei verzögertem Fellwechsel ab Mai tierärztlichen Hormonstatus prüfen lassen
  • Wasserversorgung sicherstellen: mindestens 30 bis 40 Liter Wasser täglich für Stoffwechselprozesse

Wann Sie den Tierarzt konsultieren sollten

Bestimmte Symptome während des Fellwechsels beim Pferd erfordern professionelle Abklärung. Dazu gehören massive Gewichtsverluste trotz gleichbleibender Fütterung, großflächige kahle Stellen, eitrige Hautveränderungen oder anhaltendes Fieber über 38,5 Grad Celsius.

Auch wenn das Pferd deutlich leistungsschwächer wird, vermehrt schwitzt oder Durchfall zeigt, sollten Sie nicht zögern. Der Fellwechsel belastet den Organismus, deckt aber auch bestehende Erkrankungen auf, die vorher kompensiert wurden. Eine rechtzeitige Diagnose verhindert chronische Verläufe.

Laut einer Erhebung der Tierärztlichen Hochschule Hannover aus 2021 treten bei etwa 12 Prozent aller Pferde während des Frühjahrsfellwechsels behandlungsbedürftige Komplikationen auf. Die häufigsten sind Koliken durch Wasserverweigerung, Hautinfektionen und Atemwegserkrankungen durch geschwächte Immunabwehr.

Langfristige Strategien für gesundes Fell

Fellwechsel beim Pferd: Optimale Unterstützung im Frühling

Die Fellqualität im Sommer hängt nicht nur von der Pflege im Frühjahr ab. Eine ganzjährig ausgewogene Fütterung mit ausreichend Raufutter, bedarfsgerechter Mineralstoffversorgung und regelmäßiger Bewegung legt das Fundament.

Besonders die Heuqualität spielt eine Rolle. Schimmeliges oder staubiges Heu belastet die Leber, die während des Fellwechsels Höchstleistungen erbringen muss. Achten Sie auf grünes, aromatisch duftendes Heu ohne Staubentwicklung beim Schütteln.

Regelmäßige Entwurmungen nach Kotprobenuntersuchung halten die Parasitenlast gering. Stark verwurmte Pferde haben oft stumpfes Fell und schlechten Fellwechsel, da die Parasiten Nährstoffe rauben und die Darmschleimhaut schädigen. Ein Entwurmungsplan sollte immer individuell mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Häufig gestellte Fragen zum Fellwechsel beim Pferd

Wie lange dauert der Fellwechsel beim Pferd normalerweise?

Der Fellwechsel vom Winter- zum Sommerfell dauert durchschnittlich 8 bis 12 Wochen. Er beginnt meist Ende Februar und ist bei gesunden Pferden bis Anfang Juni abgeschlossen. Ältere Pferde und solche mit hormonellen Störungen benötigen oft länger.

Welche Nährstoffe braucht das Pferd beim Fellwechsel besonders?

Zink (600-800 mg täglich), Biotin (20-30 mg), Omega-3-Fettsäuren (50-100 ml Leinöl) und hochwertige Proteine mit essentiellen Aminosäuren sind die wichtigsten Nährstoffe. Auch B-Vitamine und Selen unterstützen den Stoffwechsel während dieser anstrengenden Phase.

Sollte man Pferde während des Fellwechsels scheren?

Eine Schur im Frühjahr ist nur sinnvoll, wenn das Pferd stark schwitzt und das Winterfell den Trainingsfortschritt behindert. Bei normal arbeitenden Freizeitpferden reicht intensives Striegeln. Eine Schur greift in den natürlichen Prozess ein und sollte gut überlegt sein.

Warum wirkt mein Pferd während des Fellwechsels schlapp?

Der Fellwechsel beim Pferd ist stoffwechselintensiv und vergleichbar mit einer mittelschweren Erkrankung bezüglich des Energieverbrauchs. Müdigkeit und leicht reduzierte Leistungsfähigkeit sind normal. Bei starker Abgeschlagenheit, Fieber oder Futterverweigerung sollten Sie den Tierarzt konsultieren.

Kann man den Fellwechsel beschleunigen?

Der Fellwechsel folgt hormonellen Rhythmen und lässt sich nicht künstlich beschleunigen. Tägliches gründliches Striegeln, optimale Nährstoffversorgung und ausreichend Tageslicht unterstützen den natürlichen Prozess. Künstliche Beleuchtung im Stall kann den Beginn leicht vorverlegen, aber nicht die Dauer verkürzen.

Fazit: Investition in die Gesundheit zahlt sich aus

Der Fellwechsel beim Pferd ist mehr als eine optische Veränderung. Er ist ein Gesundheitsindikator und eine Phase, in der Sie durch gezielte Unterstützung die Basis für ein vitales Sommerhalbjahr legen. Wer jetzt in hochwertige Nährstoffe investiert, täglich konsequent pflegt und Warnsignale ernst nimmt, wird mit einem Pferd belohnt, das nicht nur glänzt, sondern auch leistungsfähig und widerstandsfähig ist.

Die Kosten für Zusatzfutter und Pflegeprodukte liegen bei etwa 40 bis 80 Euro pro Fellwechselperiode – eine überschaubare Investition verglichen mit möglichen Tierarztkosten bei Hautproblemen oder Stoffwechselstörungen. Beginnen Sie spätestens Ende Februar mit der gezielten Unterstützung, dann steht einem strahlenden Sommerfell nichts mehr im Weg. Nutzen Sie die Zeit auch, um die Gesundheit Ihres Pferdes ganzheitlich zu betrachten und eventuelle Schwachstellen anzugehen.